Fünf Wochen mit Claude – was wirklich passiert, wenn man KI täglich einsetzt

Ich nutze KI nicht seit gestern. Aber die letzten fünf Wochen waren anders. Nicht nur weil die Technologie besser geworden ist – sondern weil ich aufgehört habe, sie punktuell einzusetzen, und angefangen habe, sie in meinen Tag zu integrieren.

Was dabei herausgekommen ist, hat mich selbst überrascht.

Wie es angefangen hat

Anfang April habe ich mich hingesetzt und erst einmal Bilanz gezogen. Nicht mit dem Ziel, etwas zu bauen – sondern um zu verstehen, was eigentlich schon da ist. Eine Menge Notizen aus Apple Notes, ein Haufen loser Dokumente, eine IT-Infrastruktur, die funktioniert, aber nirgends aufgeschrieben war. Zusammen mit Claude habe ich das alles sortiert, dokumentiert, verknüpft.

Das klingt unspektakulär. Aber es war der wichtigste Schritt. Denn danach wusste ich, was ich habe – und konnte anfangen, darauf aufzubauen.

Was dann passierte

Aus dem Aufräumen wurde Arbeiten. Ich habe viel mit Themen zu tun, bei denen man viel liest, viel strukturiert, viel erklärt. Die KI half mir, Themen, die seit Monaten im Kopf warteten, endlich zu strukturieren – weit genug, um sie mit anderen zu diskutieren, weiterzudenken und gemeinsam zu schleifen.

Parallel lief die Überarbeitung der Vereinswebseite für Tiny Houses Karlsruhe e.V. – von null bis zur Vorstandsabnahme in ein paar Sessions. WordPress, CSS-Debugging, Benutzerdokumentation. Kein Frontend-Entwickler weit und breit, kein Budget dafür. Einfach gemacht.

Die App

Das Herzstück der letzten Wochen war aber etwas anderes: eine kleine App für mein iPhone.

Es war irgendwo draußen in der Natur. MacBook auf dem Schoß, mobiler Router daneben, ein Baum drüber. Und eine Idee.

Was Claude und ich zu Beginn gemeinsam aufgebaut haben, läuft auf dem Computer zu Hause: ein digitales Notizsystem, in dem Projekte, Ideen, Briefings und Alltagsplanung an einem Ort zusammenlaufen – alles miteinander verknüpft. Das Problem: unterwegs, auf dem iPhone, kam ich nicht wirklich dran.

Ich wollte schnell eine Notiz anlegen können. Wöchentlich eine Gedankenstütze – was liegt gerade an, wo bin ich stehengeblieben, was will ich nicht vergessen. Sehen, was gerade offen ist – ohne erst den Laptop aufzuklappen. Und das alles ohne meine Daten in irgendeine Cloud zu geben, die ich nicht kontrolliere.

Also haben Claude und ich eine App dafür gebaut. Eine App, die auf meinem eigenen Rechner zu Hause läuft, nur von mir erreichbar ist – und sich auf dem iPhone anfühlt wie jede andere App.

Am 22. April gab es sie noch nicht.

Am 25. April hatte sie 18 Funktionen. Volltextsuche über alle Notizen. Eine direkte Verbindung zu diesem Blog. Automatische Synchronisation mit meinem E-Reader. Alles meins, alles lokal, kein fremder Server.

Ich habe sie nicht gebaut. Aber ich habe sie gemacht.

Was "ich habe sie nicht gebaut" bedeutet

Das ist der ehrlichste Satz in diesem Artikel.

Ich bin kein Softwareentwickler. Ich kann Node.js nicht alleine schreiben, keinen Service Worker konfigurieren, keinen OAuth2-Flow aufsetzen. Claude hat das getan – in iterativen Schritten, nach meinen Anforderungen, mit meinem Feedback.

Was ich beigetragen habe: die Idee, die konkreten Anforderungen, das Testen, das Feedback, die Entscheidungen. Und den Anspruch, dass es wirklich funktionieren soll – nicht nur als Demo, sondern im Alltag.

Das ist Hebelwirkung. Nicht Magie.

Was ich dabei gelernt habe

Geschwindigkeit entsteht durch Klarheit. Je präziser ich beschrieben habe, was ich brauche, desto schneller war das Ergebnis. Vage Anforderungen kosten Zeit – in beide Richtungen.

Dokumentation ist kein Aufwand, sie ist das Produkt. Jede Session wurde in einer Daily Note festgehalten. Nicht als Pflicht, sondern weil ich wissen wollte, was ich gestern gemacht habe. Diese Notizen sind jetzt der Grund, warum ich diesen Artikel schreiben kann.

Das Gebaute nutzt man nur, wenn man es täglich benutzt. Ein paar Dinge, die entstanden sind, laufen im Hintergrund, und ich denke nicht mehr darüber nach – das ist Infrastruktur, das ist gut so. Aber es gibt auch Dinge, die nach dem Bauen seltener benutzt werden als erwartet. KI senkt die Schwelle zum Bauen – das heißt man baut mehr. Ob man alles davon wirklich braucht, ist eine andere Frage.

KI verändert den Job, aber nicht den Anspruch. Was ich in diesen fünf Wochen erarbeitet habe, ist nicht oberflächlicher geworden – es ist schneller und strukturierter geworden. Die Diskussionsgrundlagen, die ich gebaut und ausgearbeitet habe, wären ohne KI vielleicht nie aus meinem Kopf rausgekommen. Nicht weil ich sie nicht gedacht hatte, sondern weil zwischen Gedanke und fertigem Dokument immer Zeit und Energie standen.

Was bleibt

Fünf Wochen sind kein Beweis. Aber sie sind ein Muster.

Was ich gelernt habe: KI als tägliches Werkzeug funktioniert anders als ein gelegentliches Hilfsmittel. Der Unterschied ist nicht die Qualität der Antworten – sondern die Akkumulation. Was heute dokumentiert wird, ist morgen der Ausgangspunkt – für alles, was daran anknüpft, weiterwächst oder plötzlich zusammenpasst. Was heute gebaut wird, läuft übermorgen einfach. Alle Gedanken, Ideen, Dokumente an einem Ort, alles verknüpft, alles abrufbar – das wird durch KI erst richtig lebendig.

Ich werde das weiter betreiben. Und ich bin gespannt, wie ein Rückblick in ein paar Monaten aussieht.


Die App, die in diesem Artikel eine zentrale Rolle spielt, hat eine eigene Geschichte – wie sie entstanden ist, wie sie aufgebaut ist und was sie täglich leistet. Die erzähle ich im nächsten Beitrag.

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